BARF

Das Mysterium BARF

Noch vor wenigen Jahren war der Begriff BARF als Bezeichnung für Hundefutter aus rohem Fleisch, Knochen und frischem Obst und Gemüse in Deutschland völlig unbekannt. Heute ist BARF – im wahrsten Sinne des Wortes – in aller Munde. Denn Barfen ist „in“ und hat sich bei einigen Hundehaltern zu einem regelrechten Trend gemausert. Hauptsache man barft. Es gibt echte Barfer, Teilbarfer, Hardcorebarfer und so weiter und so fort.

Das Schlimme: Einige Barfer bekriegen und beschimpfen sich sogar gegenseitig, bestimmte Bücher oder Ernährungspläne werden fast religiös befolgt, Essensinhalte präzise ausgerechnet und alle anderen Fütterungsansätze von vornherein als unseriös und ungesund abgestempelt. Derjenige, der die meisten Nährwerte, Statistiken und „wissenschaftlichen“ Studien zitiert und einhält, weiß es zweifellos am besten. Immer kompliziertere Formeln werden zur Nahrungszusammenstellung erfunden, das Fleisch grammgenau gewogen und die Fütterung der Hunde – was eigentlich das normalste Ritual im Hundealltag sein sollte – wird zur undurchschaubaren Wissenschaft.

Doch das muss es nicht sein. Und Trocken- als auch Nassfutter sind per se nicht schlecht. Darum geht es hier nicht, auch nicht darum einen umfassenden Überblick in das Thema BARF zu geben. Dies hier soll lediglich die Augen für diese Ernährungsform öffnen und eine kleine Anleitung sein, eine Art Einstieg in das für viele „große und unbekannte Wesen“ BARF.

Viele Erkenntnisse und Informationen stammen von Swanie Simon, die eine mehr als 25-jährige Erfahrung in der natürlichen Aufzucht und der Ausbildung von Hunden besitzt. Bekannt wurde sie in Deutschland und im deutschsprachigen Ausland als Autorin und Referentin sowie durch TV-Auftritte zu dem Thema Rohfütterung von Hunden. Sie verbreitete das amerikanische Akronym BARF in Deutschland.

 

Was ist BARF?

Die Abkürzung BARF wurde von der Amerikanerin Debbie Tripp erstmalig benutzt und eingeführt, um Menschen zu bezeichnen, die ihre Hunde mit rohem, frischen Futter ernähren und um das Futter an sich zu betiteln. In diesem Fall bedeutete das Ganze „Bones And Raw Food“, übersetzt Knochen und rohes Futter. Mittlerweile versteht man unter BARF „Biologisch artgerechtes rohes Futter“ oder „Biologisch artgerechte Rohfütterung“.

Damit ist allerdings nicht gesagt, dass Barfer ausschließlich rohes Fleisch füttern – sondern generell eben roh. Sprich: Gemüse, Obst, Ei, Salat kommen ebenso in den Futternapf wie Fleisch und fleischige Knochen. Denn für Barfer gilt ganz klar, dass gekochte Nahrungsmittel „tot“ sind. Vitamine, Mineralien, Enzyme und Aminosäuren werden beim Kochen teilweise zerstört oder in einen unbrauchbaren Zustand gebracht. Das soll so gut wie möglich verhindert werden.

 

Mein Hund der Fleischfresser

BARF ist eigentlich ein einfaches und logisches Konzept. Der Hund ist von Natur aus ein Karnivor, also ein Fleischfresser. Und der sollte natürlich in erster Linie Fleisch fressen. In der Natur fressen Fleischfresser andere Tiere, denn die bestehen schließlich aus Fleisch und ein paar anderen Komponenten.

Der Hund hat auch das entsprechende Gebiss für diese Ernährung: kräftige Eckzähnen, um die Beute zu greifen und Backenzähne mit scharfen Kanten, um nicht nur Fleisch, sondern auch Knochen durchzubeißen. Der Magen des Hundes ist im Vergleich zu Pflanzenfressern achtmal so groß (im Verhältnis zum Körpergewicht). Die Magensäure des Hundes enthält anteilig zehnmal mehr Salzsäure als die des Menschen und die Produktion der Verdauungssäfte erfolgt bei ihm ausschließlich durch den Schlüsselreiz Fleisch.

Der Hundedarm hingegen ist sehr kurz im Vergleich zum Pflanzenfresser. Die vollständige Verdauung von Fleisch und Knochen dauert beim Hund maximal 24 Stunden. Im Vergleich: ein Pflanzenfresser braucht für die Verdauung seines Essens vier bis fünf Tage!

 

Vorurteile gegen das Barfen

Über BARF kursieren jede Menge Gerüchte im Internet, aber erstaunlicherweise auch unter Hundehaltern. Viele davon alte Ammenmärchen oder sind schlichtweg erlogen, um das eigene (industriell hergestellte) Futter besser zu vermarkten. Und einige Mythen und Vorurteile über diese Ernährungsform kommen schlichtweg durch Unwissenheit zustande. Daher möchte ich hier die gängigsten Vorurteile etwas genauer beleuchten.

Vorurteil Nummer 1: Gebarfte Hunde sind unterversorgt!

Im Gegenteil, denn wer barft, dem ist die Gesundheit seines Hundes sehr wichtig. Er achtet auf die Fleischzusammensetzung, füttert nicht nur Muskelfleisch, sondern auch Pansen, Innereien, Knochen und Blut. Alles mit wichtigen Inhaltsstoffen, die der Hund braucht und verwerten kann. So mancher Barfer hält sich sogar penibelst an den Fütterungsplan seines Hundes, so dass er jeden Tag genau das bekommt, was er laut Plan in Prozent kriegen soll. Das halte ich zwar persönlich für übertrieben, aber jedem das Seine. Schließlich rechnet ja auch kein Mensch aus, ob er heute schon seinen Vitamin oder Calciumbedarf gedeckt hat, oder?

Fakt ist: die Ausgewogenheit findet beim Hund über einen Zeitraum von mehreren Wochen statt, wie es auch in der Natur ist. Sehr viele Barfer lassen übrigens in regelmäßigen Abständen ein großes Blutbild von ihrem Hund anfertigen, um zu sehen, ob die Ernährung richtig eingestellt ist. Welcher Hundehalter, der Trocken- oder Nassfutter in den Napf kippt, kann dies von sich behaupten? Ich glaube die Wenigsten. Denn da wird sich darauf verlassen, was der Hersteller auf die Verpackung schreibt.

Vorurteil Nummer 2: Rohes Fleisch infiziert Hunde mit Salmonellen und Würmern!

In Deutschland wird Fleisch noch am Schlachthof von Tierärzten auf Finnen, Parasiten oder Verunreinigen untersucht. Die Wahrscheinlichkeit, dass also ein mit Krankheitserregern infiziertes Fleisch im Hundenapf landet ist also sehr gering. Wenn man aber auf Nummer sicher gehen möchte, dann kann man – sofern man sein Fleisch nicht gefroren geliefert bekommt – das rohe Fleisch vor dem Verfüttern für 2 -3 Tage einfrieren. Spätestens dann sind sämtliche Finnen abgetötet und stellen keine Gefahr mehr für den Vierbeiner dar. Salmonellen sind übrigens etwas, was im Hundedarm immer vorhanden ist. Das heißt sie werden n der Regel mit solchen Bakterien gut fertig. Der Hund hat im Vergleich zum Pflanzenfresser einen sehr kurzen Darm und das Rohfutter wird schnell verdaut. Die Erreger werden also wieder ausgeschieden, bevor sie überhaupt krank machen können. Salmonellen und andere Bakterien sowie Parasiten sind übrigens allgegenwärtig, die kann ein Hund sich sogar schon bei der üblichen Gassirunde „einsammeln“. Ein gesunder Organismus sollte damit aber problemlos fertig werden.

Vorurteil Nummer 3: Rohe Knochen sind gefährlich!

Es stimmt, dass Knochen splittern können, aber nur wenn sie gekocht wurden. Gekochte Knochen sind daher ein absolutes TABU! Denn dann wird das Material brüchig und spröde. Mögliche Folge: gefährliche Absplitterungen beim Kauen.

Ein roher Knochen ist aber elastisch. Wenn der Knochen also roh verfüttert wird, braucht man sich als Hundehalter keine Sorgen machen. Allerdings wird der Kot durch das Füttern von Knochen tatsächlich härter, es kann zum so genannten „Knochenkot“ kommen oder zu Verstopfungen führen. Daher sollten und müssen Knochen auch nicht täglich gefüttert werden. Dies kann alle paar Tage erfolgen. Alternativ sind z.B. Putenhälse, Kalbsbrustbein oder Hühnerkasse ein guter Calciumlieferant.

Vorurteil Nummer 4: Barfen ist teurer und aufwendiger als Trocken- oder Nassfutter!

Am Anfang machen sich viele BARF-Einsteiger Sorgen, dass der Hund im Laufe der Zeit Mangelerscheinungen aufweisen könnte und neigen dazu, zu viele Ergänzungsmittel und Vitamine zu zufüttern oder penibel genau die Inhalte der Tagesration auszurechnen. Mit der Zeit legt sich das und man wird routinierter bei der Futterzubereitung.

Fleisch und Knochen, die wir als Hundehalter für das Barfen nutzen, sind in der Regel Überbleibsel von Fleisch, das für die menschliche Ernährung eher uninteressant bzw. ungenießbar ist. Für den Hund allerdings stellen sie oftmals eine Delikatesse dar. Deswegen ist der Einkauf von rohem Fleisch im BARF-Shop nicht teurer als ein mittelmäßiges Hundefutter. Persönlich bin ich der Meinung, dass Barfen sogar günstiger ist als qualitativ hochwertiges Trocken- oder Nassfutter. Denn da muss man als Tierliebhaber auch ganz schön tief in die Tasche greifen.

Vorurteil Nummer 5: Rohes Fleisch macht Hunde aggressiv, ja sogar blutrünstig!

Dies ist ein Märchen, das sich hartnäckig hält. Es gibt Hunde, die tatsächlich anfangen ihr Futter mehr zu verteidigen, sobald es rohes Fleisch oder ein saftiges Stück Knochen ist – vor allem wenn andere Rivalen in Form von Hunden in der Nähe ist. Im Mensch-Hund-Gespann sollte dies allerdings nicht vorkommen. Denn das ist eine reine Übungs- und Erziehungssache und sollte strikt unterbunden werden.

 

Vorteile der Rohfütterung

Daher nun an dieser Stelle, kurz und knapp die größten Vorteile des Barfens im Überblick:

  • Wenig bis kein Zahnstein
  • Stärkeres Immunsystem
  • Kein übler Hundegeruch
  • Schönes, gesundes, glänzendes Fell
  • Weniger Parasiten
  • Wesentlich kleinere Kotmengen
  • Starke Bänder und Sehnen
  • Bessere Muskulatur
  • Erleichterung bei arthritischen Erkrankungen
  • Weniger Wachstumsprobleme
  • Risiko von Magendrehung drastisch reduziert

 

Fütterung mit BARF

Beim Thema BARF sollte man keinen allgemeingültigen Futterplan erwarten, der die Bedürfnisse jedes Einzelnen abdeckt. Denn Hunde sind verschieden und so muss auch der Ernährungsplan individuell erstellst oder im Laufe der Zeit auch mal angepasst und verändert werden. Welpen, Junghunde, trächtige Hündinnen oder beispielsweise Hundesenioren habe alle ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Der gleiche Ernährungsplan für alle wäre fatal. Es gibt Hunde, die kein Getreide oder einzelne Fleischsorten vertragen, welche die keine Innereien mögen oder Knochen Anfangs nicht gut verdauen können. Auf diese persönlichen „Befindlichkeiten“ sollte eingegangen werden.

Es empfiehlt sich Fleisch in möglichst großen Stücken oder am Knochen zu füttern, da das Kauen und Reißen wichtig für die Zahnpflege des Hundes ist. Falls der Hund allerdings dazu neigt extrem zu schlingen und man Angst hat, er könne ersticken, dann kann man natürlich auch auf gewolftes bzw. kleingehäckseltes Fleisch zurückgreifen. Falls man Getreide zufüttern möchte, wird empfohlen Fleisch und Getreide nicht zu mischen, da sonst Blähungen entstehen können. Nicht nur in diesem Fall, sondern auch generell bietet es sich übrigens an, den Hund zweimal täglich zu füttern. Erstens ist dies besser, weil man so Zutaten trennen kann und zweitens verringert sich – bei einer Aufteilung des Futters auf zwei Mahlzeiten – die Gefahr einer Magenumdrehung.

Wenn man getreidefrei füttern möchte, sollte das Gemüse 10-25%, die Fleisch/Innereien/fleischige Knochen 75-90% der Gesamtration einnehmen. Der Knochenanteil (gemeint sind RFK = rohe, fleischige Knochen = 50% Fleisch/50% Knochen) sollte nicht 30% der Gesamtration übersteigen, ideal sind zirka 10%. Der Gemüse- und Obstmix sollte im Optimalfall aus mindestens drei Gemüse- bzw. zwei Obstsorten bestehen. Außerdem empfiehlt es sich das Obst nur reif, besser sogar überreif zu verfüttern und Öl oder Quark hinzuzugeben (wegen der fettlöslichen Vitamine).

Wichtig für den Hinterkopf in Sachen Gemüse: Hunde können Zellulose nicht gut verdauen und pflanzliche Zellwände bestehen nun einmal aus Zellulose. Damit die Fellnase diese Nahrungsmittel trotzdem gut verwerten kann, sollte man Gemüse am besten im rohen Zustand pürieren und somit die Zellwände zerstören.

Für den Anfang kann es eine große Hilfe sein, einen Ernährungsplan zu erstellen, so dass man einen besseren Überblick hat und sich sicher fühlt, dass der Vierbeiner mit wirklich allem versorgt wird. Um einen Futterplan erstellen zu können, muss man erst einmal die Gesamtfuttermenge pro Tag berechnen. Und das variiert natürlich nach Alter, Gewicht und Aktivität des Hundes. Hier ein paar Fakten zur groben Orientierung:

Futtermenge für Welpen und Junghunde:

4-6% vom Körpergewicht = Tagesmenge (richtet sich nach der Aktivität des Welpen)

  • Welpe 2 – 6 Monate alt – 5-6% vom Körpergewicht
  • Junghund 7 -9 Monate alt – 4-5% vom Körpergewicht
  • Junghund 10 – 13 Monate alt – 3-4% vom Körpergewicht
  • Ganz wichtig ist der Calciumbedarf im Wachstum:
    ca. 100mg Calcium/kg Körpergewicht für den Knochenaufbau
    ca. bis zu 200mg Calcium/kg Körpergewicht im Zahnwechsel

Futtermenge am Tag für ausgewachsene Hunde:

  • 2 % vom Körpergewicht – Hund muss abnehmen oder sein Gewicht halten
  • 2,5 % vom Körpergewicht – bei Idealgewicht
  • 3 -4 % vom Körpergewicht – sehr aktiv oder muss zunehmen
  • Calciumbedarf: 50 – 80mg Calcium pro kg Körpergewicht pro Tag

Ganz wichtig: diese Zahlen dienen lediglich der groben Orientierung. Wenn man über den Brustkorb des Hundes mit einem leichten Druck drüberfahren und die Rippen deutlich spüren kann, dann hat der Hund eine Idealfigur. Hat er jedoch zu wenig auf den Rippen, dann kann man die Tagesration erhöhen oder fetthaltiger füttern oder umgekehrt „ein paar Kalorien einsparen“. Diese Gesamtmenge wird dann wiederum weiter unterteilt nach Futtermittelbestandteilen. Das kann man für einen Tag, die ganze Woche oder direkt für den Monat ausrechnen und somit gleich die richtige Monatsration in den Online-Warenkorb legen.

 

Futtermittelliste - erlaubte Lebensmittel beim Barfen

Gefährliche Lebensmittel für Hunde

Quelle: Fressnapf.de und DeineTierwelt.de

Avocados: Abgesehen davon, dass Erstickungsgefahr durch den Avocado-Kern droht, ist das Fruchtfleisch für Hunde eher unbekömmlich. Einige Avocados (je nach Sorte oder Teil der Avocado – dies ist noch nicht genau erforscht) enthalten Persin. Das schädigt den Herzmuskel und kann zum Tod führen.

Gekochte oder gebratene Knochen: Hier besteht extrem hohe Splittergefahr, da die Knochen durch das Kochen bzw. die Hitze spröde werden. Der Vierbeiner kann Verletzungen im Mundraum, in der Speiseröhre oder im Magen-/Darmtrakt davontragen.

Koffein: Das im Koffein enthaltene Methylxanthin wirkt sich fatal auf das Nervensystem von Hunden aus. Daher Finger weg!

Rohe Hülsenfrüchte: Wie Bohnen oder Kichererbsen sind gekocht für den Hund genießbar, ungekocht hemmt allerdings das in ihnen enthaltene Gift Phasin die Proteinbiosynthese und verklebt die roten Blutkörperchen.

Rohes Schweinefleisch: Schweinefleisch kann das für Menschen ungefährliche, aber für Hunde tödliche Aujeszky‐Virus enthalten. Eine Infektion endet immer tödlich.
 Die Symptome der Erkrankung ähneln der Tollwut, daher auch der Name „Pseudowut“.

Schokolade und Kakao: Enthalten darin das für Hunde giftige Theobromin, das auch in schwarzem Tee und Kaffee vorkommt. Allgemein gilt: Je dunkler die Schokolade, desto mehr Theobromin ist enthalten. Gefährlich kann es werden, wenn ein kleiner Hund eine ganze Tafel klaut.

Steinobst: Werden Obstkerne zerbissen, wird Blausäure freigesetzt, die nicht nur für den Hund, sondern auch für Menschen giftig ist.

Tomaten, rohe Auberginen, rohe Kartoffeln: Diese Nachtschattengewächse enthalten im rohen Zustand den Giftstoff Solanin und sollten deshalb nie in den Hundemagen kommen. Die Folgen: Erbrechen, Durchfall, Schleimhautreizung.

Trauben und Rosinen: Der genaue Giftstoff hier drin lautet Oxalsäure. Der Verzehr größerer Mengen Trauben und Rosinen kann bei Hunden bestimmter Rassen und bei Veranlagung zur Unverträglichkeit zu tödlichem Nierenversagen führen.


Zwiebeln: Roh, gekocht oder getrocknet – Zwiebeln enthalten Schwefelstoffe, die die roten Blutkörperchen des Hundes zerstören.